Das volle Programm: Bookfarm auf der Leipziger Messe!

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Das Leipziger Messegelände ist eine Betonblombe im Erdreich mit Aufbau und Zuwegung – umgeben von Schneefeldern und weiterer Infrastruktur. Neutraler Boden für Gedankentausch. Bis auf das sächselnde Servicepersonal erinnert nichts an Leipzig.

Deshalb finde ich es nach Abbau der Messe sehr sonderbar, bereits nach zwanzig Minuten zu Hause zu sein. Die extra gefahrenen, kleineren Umwege ändern auch nichts am Grundgefühl. Drei Tage Messe brauchen hinten dran eine sechsstündige Autofahrt durch die Nacht. Die schwäbischen Mittelständler auf der Messe haben es gut: Sie dürfen die A71 durch den Thüringer Wald fahren. Herrlich einsam. Der acht Kilometer lange Rennsteigtunnel wie der Übergang in einen anderen Raum. Äußerungen, Gesprächssequenzen und Kommentare ordnen sie Personen und Institutionen zu; Gesten, Kritik und Lob gewichten sie und ziehen erste Schlüße daraus. Hier entstehen die Grundlagen für neue Ideen. Eine halbe Stunde vor Ankunft machen sie das Radio an und freuen sich auf zu Hause.

Eiszeit auf der Bibliotheks-Messe

Eiszeit auf der Bibliotheks-Messe

Messeaufbau.  Aus Büchern und gebundenen Zeitschriftenbänden einen Stand zu bauen braucht Zeit. In meinem Fall Wochenendzeit. Die Grundlage für diesen Geduldsakt bildet die Chemische Zeitschrift und The Economist – dicke schwere Bände zwischen 1700 und 3200 Seiten. Schmale Heftchen der Reihe Polymer Abstracts gleichen Unebenheiten aus. Mit den orangenen Bänden des Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) ist schnell Strecke zu machen. Obendrauf kommt eine französische Zeitschrift für Physik. Ab da nur Bücher, kleinere Tranchen von Physikalische Blätter und sonstiges Flickwerk. Besonders in den Ecken ist die Konstruktion erstaunlich massiv.

GV-Ziegel

GV-Ziegel

Von Ali, einem lebensfrohen Deutsch-Türken aus Stuttgart, leihe ich mir eine Wasserwaage um zu sehen ob alles im Lot ist. Seit Beginn meiner Bautätigkeit hält er mich durch Gesang und flache Pointen bei Stimmung. Ali trägt langes Haar und Checker-Hose. Ein richtiger Messebauer. In dieser Gesellschaft fängt es an, Spaß zu machen.  Ali behauptet, dass er die Kanzlerin persönlich kennt. Er macht die ganzen Parteitage „un‘ so!“ „Da kommt die Merkel und die ganzen Anderen zu mir und sagen: „Ey Ali mach‘ mir mal nen Expresso“. Ali, der schwäbelnde Türke, duzt die Frau Bundeskanzlerin und macht ihr Kaffee – eine nette Vorstellung.

Ali der Messebauer

Ali der Messebauer

Montag am Morgen, Messe.  Es beginnt gleich mit Interesse. Da kommen jede Menge Fragen, manche auch von grundsätzlicher Art. Manchmal geht ein Informationsgespräch in Unterhaltung oder Plauderei über. Dann staut es sich. Potenziell Neugierige ziehen weiter. Das gehört dazu. Auch Standnachbarn möchte man kennenlernen. Solche mit Kaffeemaschinen stehen ganz oben auf der Liste. Man geht sich weitschweifender Umschauen, um etwas Ruhe zu haben. Wieder am Stand warten dort Interessierte: „Bookfarm – was ist denn das?“ Und dann ist der Stand auch noch bewundernswert. Nicht immer das Gleiche sagen wollen ist wirklich anstrengend. Spätestens um vier am Nachmittag ist die Luft raus, da hilft auch kein Kaffee mehr. Richtig Spaß macht aber immer noch das Gut-angezogen sein. Die Stoffhose von Zara war ein gute Investion, auch wenn zwei Tage später McRip auf sie tropfen wird.

Flachbild kommt immer gut!

Flachbild kommt immer gut auf der Bücher-CEBIT

Auch am zweiten Tag hören die Fragen nicht auf. Viel wichtiger ist aber das was folgt: der Festabend. Da werden Erinnerungen wach an Innsbruck, an Hamburg oder an Aachen. Ein BibliothekarsKongress ohne Festabend ist unvorstellbar. Am meisten freue ich mich auf den Tisch der Österreicher. Doch zunächst ist es überhaupt schwierig, ein Plätzchen für die Essensaufnahme zu finden: Unbarmherzig wird der Platz neben dem wichtigen Vorsitzenden verteidigt. Menschen sitzen auf Treppenstufen und löffeln das Catering. Schnell werden noch Sitzgelegenheiten herbeigeschafft. Das Bier ist umsonst und so steigt die Stimmung. Die Showband hat jetzt schon drei verschiedene Kopfbedeckungen durch und bringt den Saal zum Kochen. Von Jahr zu Jahr wird es bunter. Bald müsste das verstaubte Image weg sein.

Showbanda

Showbanda

Endlich finde ich den Tisch der Österreicher. Gleich neben dem Eingang. Die Stimmung ist prächtig. Daneben ein Tisch mit schweizer Beteiligung. Einige führen noch Fachgespräche, Andere gehen zum Tanz.

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Wie gedacht erwarten einen die Ausstellerkollegen am nächsten Morgen mit verschmitztem Grinsen und unterdrücktem Gegröle.  In bereits anderthalb Stunden findet der Vortrag statt: „Skandal am Regal. Aussonderung zwischen Hysterie und Pragmatismus.“ Na das kann was geben. Wie bereits vorhergesehen reicht der Platz nicht. Stühle dürfen aus Brandschutzgründen nicht hereingebracht werden. Was für ein Quatsch! Und jetzt auch noch Alleinunterhalter sein. Die Leute sitzen auf dem Boden oder auf Tischen. Am Ende bin ich sehr zufrieden.SAMSUNG

Die letzten Stunden Messe sind schön. Der Druck fällt ab, alle sind fröhlich oder ermüdet. Ich gerate in einen letzten Kommunikationsrausch und quatsche eine dänische Firma für LIBRARY SYSTEMS an, ob sie jemanden wüssten, der dänischsprachige Bücher in grossen Mengen abzugeben hat. Die Damen sind sehr amüsiert. Was will er mit Büchern und dann noch aus Danmark. Auf meinem letzten Rundgang wird mir eine original Zambelli-Rollregalanlage geschenkt. Einfach so. Muss sie nur abbauen. Heute ist mein Glückstag, denke ich. Verabschiedung und dann beginnt der Abbaustress. Die Zeitplanung korrigiere ich immer weiter nach hinten. Stehtisch weg, Bücher weg, Regal… plötzlich sind die Messebauer wieder da. Die letzten Aussteller prosten sich mit Sekt zu. Ali ist auch wieder da. Plötzlich muss ich Angst haben, bis Mitternacht nicht fertig zu werden. Doch dann ist es geschafft. Deckel zu, endlich weg. Der Kopf brummt. Die letzten Tage haben Eindruck gemacht. Fünf Tage Messe sind zu Ende – schön wars!

 

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