Die bittere Wahrheit über das „On the Road“ – 5 Tage unterwegs mit der Bookfarm

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6 Städte, 1 Vorort, 2 Dörfer,
Der Transit, die Strecke, die Menschen,
28 Ziele, 1712 Kilometer,
9 Bibliotheken und11 Paletten Bücher.

1ter Tag, Montag. Um drei Uhr und zwölf Minuten bin ich aufgestanden. Noch Sachen packen, an alles denken, nichts vergessen. Hoch auf den Dachboden schleichen, ob da die Wanderstiefel sind. „Bestimmt wird es kalt“, denk ich mir. Ohne Musik und mit trockener Heizungswärme im Transit. Zu so viel Dunkelheit kommt schlechte Laune: Kaum geschlafen, wach gelegen. Die Strecke spult sich ab. Der erste ToGo an der thüringisch-bayerischen Grenze im Brückenrestaurant. Auf der Einfallstraße in die Nürnberger Innenstadt staut es sich um acht.

In einem fast menschenleeren historischen Bau lagern Bücher. Immigrantenkinder testen die Feuerschutzanlage. Die Frau von der Bibliothek macht eine ganze Kanne Kaffee. Ausgelagerte Bücher. Nürnberger Altstadt am Montagmorgen. Die Handwerker rauchen auf der Stiege. Die Bibliothekarin sondert aus und die Bookfarm verpackt den langweiligen Rest. Dazu kommt Zeitdruck. Der übliche Mix: Müdigkeit, Zeitdruck und Scheißbücher. Hinter Kreuz Nürnberg zieht sich die A3, es wird landschaftlicher und entspannter.

Um Mittag in Regensburg, rote Ampel am Bahnhof, bei Grün Weiterfahrt! Direkt zum Institut. Auf dem Treppenaufgang steht ein Mitarbeiter in der Raucherpause. Die Bookfarm ist pünktlich. Zum Chef. Klopf, Klopf: „Hallo!“ „Die Familie?“ „Alles Gut!“ „Bücher?“ „Keller!“ „Kennst dich ja aus!“ „Muss weg!“ Doch das Auto ist voll und wir müssen erst abladen. Zur Spedition in die Bukarester Straße: Hafengelände, echte Jungs, Donau  und schwere Kräne. Zurück am Institut: Akkordverpacken. Hübsche Bücher, viel Kyrillisch. Schon jetzt müde! Um sieben fertig. Dann: Bierchen, Essen, Steinerne Brücke.

Die Arbeit, das Viele, das zu Viele
die Abende, die Morgen,
Kisten und Schachteln,
die Zeit dazwischen.

2ter Tag, Dienstag. An diesem Morgen entscheide ich mich für einen minimalen Umweg über die Landstraße. Der Autobahnterror nervt. Verbinden lässt es sich mit einem Besuch bei der Hochschule Weihenstephan. Zuerst ist es nur neblig, dann kämpft die Sonne mit. Vor den Augen lösen sich die Schwaden auf – strahlend blau in Niederbayern.

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Kurzer Halt für einen Kaffee in Hohenthann bei „nah & gut“. Geschäftiges Treiben im Minimarkt. Alle sprechen Dialekt! Brot, Getränke und alles für den täglichen Gebrauch. Im Nachbarort Weihenstephan bleibt es beschaulich, sogar sehr beschaulich. Gegenüber von einem Automechaniker, auf der einzigen Bank im Dorf trinke ich den Kaffee. Beim Telefon klappt die Netz-Verbindung nicht und so muss ich fragen. Im Büro der Schrauber kläfft mich ein Kurzhaardackel an. Der Mann muss auf meine Frage nur schmunzeln: „Eine Hochschule haben wir hier nicht! Sie meinen bestimmt das andere Weihenstephan bei Freising, dass sind 40 Kilometer von hier.“ Schnell nach München, Zeit verbummelt. Schon um zehn.

In der nächsten Bibliothek sind andere Bücher, 30 Meter auch hier. Zwei Etagen. Allerdings frischer Kaffee mit Milch. Wie sich die Leute freuen, ihre Bücher loszuwerden. Witzige Dialoge und kurz angebundene Pointen mit dem Bibliothekar, der aufpasst. Nach der Verabschiedung: Hängende Schultern und lange Finger. Schon halb zusammengesackt am frühen Nachmittag. Beim Asiaten gegenüber brauchts jetzt eine knusprige Ente. Danach zur Spedition: Ausladen, palettieren und nächster Termin!

Bei der hübschen Frau Grau gegenüber haben Demonstranten ein Protestcamp aufgeschlagen. Entweder Asylanten oder welche, die es werden wollen. Sie befinden sich im Hungerstreik. „Für Internet und Handy!“, wie die hübsche Frau Grau spitz kommentiert. Kaum angekommen schenkt sie Kaffee ein und fährt Gebäck auf. Während ich Bücher einpacke fragt sie nach Frau und Kind, betont wie lange man sich schon kennt und fragt nach, wie die Geschäfte laufen. Sie kann einen sogar bemitleiden, möchte wissen wo man schon war und wo es noch hingeht. Sie begleitet einen bis auf die Straße, die hübsche Frau Grau.

Noch mal Spedition und Abladen, dann Augustiner und Haxen im Lindwurmstüberl am Goetheplatz.

Strecke machen, das Navigieren,
leer sein, der Rücken,
das Aufspringen, das Abspringen,
das Stapeln, Folieren.

3ter Tag Mittwoch. Wie böse das Leben ist. Die Nacht ist zu Ende um 4:30 Uhr. Die Schweinshaxe klebt noch zwischen den Zähnen und der Schädel brummt. Noch nicht mal einen Kaffee gibt es in der Unterkunft. Scheißverein, alles zum Kotzen! Zum Großmarkt ist es nicht weit. Die Stadt schläft. Kaum zu glauben, dass schon Jemand arbeitet. Selbst Dimitrios, mein Bananenkisten-Dealer ist über die frühe Ankunft erstaunt. Hundert Bananenkisten gehen rein. Käffchen und Bockwürstchen an der Tanke, dann auf die Autobahn Richtung Salzburg. Enge Kurven, Bergab und der erster Schnee am Rand. Weil es so früh ist kann man in Salzburg bis in die Fußgängerzone fahren. Wie angekündigt steht die zweite Tür von rechts einen Spalt breit auf. Der Herr Pablo erwartet mich schon. Er zeigt mir die Zeitschriften. Fast möchte ich einen Schwächeanfall bekommen. 40 Regalmeter Fünfpfünder! Das ist hart. Aber was tut man nicht alles. Viel lieber würde man dem Herrn Pablo über die Schulter schauen. Er restauriert alte Bücher und ist mit seinem Atelier der Bibliothek angegliedert. Er hat einen scharfen spanischen Akzent und erklärt gerne seine Arbeit, der Herr Pablo. Immer wenn ich bei ihm durch muss, sitzt er an einer anderen Stelle des langen, schmalen Raums. Mal näht er Leinen, mal entfernt er Signaturen oder inspiziert Bruchstellen an alten Folianten. Auch hier gibt es Kaffee. Sogar die Chefin hat Zeit und gesellt sich zu uns. In der Mitarbeiterküche sitzen wir alle und möchten gar nicht mehr aufstehen. Schon ist es fast zwölf und Innsbruck nicht eben um die Ecke. Der Besuch bei der Lieblingsbibliothekarin muss kurz ausfallen. „Wie sage ich ihr nur, dass ich nichts mitnehmen kann?“ Etwas Stottern und Kopf schief legen reicht, allerdings nagelt sie mich auf einen Termin im Januar fest: „Weil Sie es sind!“ Was soll man da sagen?

Nordketten-Begeisterung

Nordketten-Begeisterung

Vorbei am Red-Bull-Hanga des Salzburger Flughafens,  zurück über die Staatsgrenze und dann links zum Campus Innrain nach Innsbruck. Die Fahrt zieht sich, Müdigkeit, verflixt. In der Bibliothek angekommen reicht die Zeit gar nicht mehr, das reinste Gehetze, die Leute wollen nach Hause. Kisten, Verpacken, runter Schleppen, Verladen: immer das Gleiche.

Doch so schlimm der Tag angefangen, so schön klingt er aus: Essen im Gasthof „Goldenes Dachl“, NY-Funk-Konzert im „Treibhaus“, schlafen im Hotel „Weisses Rössl“.

Der Freund und sein Freund im Goldenen Dachl,
die Afro-Queen und ihr Solo,
die Nordkette über der Altstadt,
die Abende und die Morgen.

4ter Tag, Donnerstag. Hoch nach Mittenwald. 12%-Steigung mit vollbeladenem Bus. Fast bleibt er stehen, zuletzt zeigt die Tachonadel 40 Stundenkilometer an, den Zweiten voll durchgedrückt. Und das alles für Bücher. Ja geht’s noch? Überall schon etwas Schnee, daneben noch wunderschön gelb leuchtende  Lärchenwälder. Weite Täler und geschwungene Abfahrten. Fast möchte man nicht nach Deutschland rein. In Scharnitz kurz vor der Grenze ein letzter Halt. Neben einer 50er-Jahre Tankstelle hält der Transporter. Im ehemaligen Kassiererhäuschen hat Polsterer Willi Geigl einen Show-Room eingerichtet.

Auf der anderen Seite wartet die TirolDSCN3538er Speckklause, damit man die letzten österreichischen Euros ausgibt.

In München muss das stark überanstrengte Auto ausgeladen werden. Danach weiter nach Augsburg. Es regnet, die Autobahn ist unangenehm voll. Frau Olga wartet schon auf uns. Sie hatte gehört, dass ich Probleme mit dem Auto hatte und war geblieben. Frischer Kaffee und etwas Schokolade und 50 Meter Bücher. Sie bietet mir ihre weißen Handschuhe für das Verpacken der Bücher an. Amüsiert ob so viel Hilfsbereitschaft, geht die Arbeit gleich leichter. Später noch ein Privatankauf in einem Vorort von München. Elends schwere Kisten, jetzt schmerzt der Rücken endgültig. Zweiter Stock ohne Aufzug. Wozu tut man sich das an? Trotz der Strapazen geht sich noch ein Besuch im Würmtal aus. Dort wo die Bookfarm ihr erstes Büro hatte: in Gräfelfing. Unterhalb vom Tengelmann, im einem Keller ohne Fenster und Heizung. Der Abend ist gegessen.

5ter Tag, Freitag. Morgens bei der Spedition Transporter ausladen, dann wieder Bananenkisten vom Großmarkt holen. Danach bei einem Forschungszentrum Bücher einladen. Um 14 Uhr ist es dann geschafft, das letzte Buch ist verpackt. Noch einen Besichtigungstermin in der Innenstadt und dann fertig. Mit Stau nach Hause, wie in einem Schlauch, betäubt von der Arbeit und den Eindrücken, den Menschen, den Begegnungen. Spät am Abend bin ich in Leipzig.

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or the Mulder Scully of this show just aren’t interesting to me
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One Response to "Die bittere Wahrheit über das „On the Road“ – 5 Tage unterwegs mit der Bookfarm"
  1. Viktoria Staab sagt:

    Das Feeling kommt gut ‚rüber… Die Idee von „Bookfarm unterwegs“ gefällt mir!

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