Zürich – Text

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Schweiz und Schweizer und Deutsche in der Schweiz

Schweizer sind anders. Die Schweiz ein anderes Land. Schweiz ist Ausland.  Im ICE-Bistrowagen Richtung Zürich finde ich dafür erste Hinweise.

Ihre Schuhe sind anders – gleich schon hübscher. Ihre Bewegung ist anders, vielleicht eleganter oder bedachter. Jedenfalls grüßt Sie freundlich in den ICE-Bistro-Wagen hinein: „Grüezi“ – obwohl Sie keiner kennt. Vermutlich tun Sie das aber erst kurz hinter Freiburg im Breisgau, die Schweizer. Sobald Basel erreicht ist. Vielleicht ist die liebenswürdige Begrüßung auch unterbewusst ein Hinweis darauf, dass hier die Schweiz anfängt: Eine Trutzburg des Anstands und der gepflegten Umgangsformen.

Im Kontrast zu diesen vielleicht müßigen Gedanken  steht das bedienende Hefetörtchen am Metropa-Stand. Sie ist wie ein rosa Elefant im schweizer Porzellanladen. „Männa“ ereifert sich die Mitbürgerin laut. „Nur Probleme hat man mit denen. Meiner hat sich dicke getan, dass er an einem Abend 1000 Euro gemacht hat, dieser Vollpfosten!  Männa, also echt ma‘! Vollpfosten!“ berichtet sie ihrer Kollegin für alle hörbar. In diesem Moment schaue ich mir die Schweizer an und freue mich auf einige ihrer Wörter. Aber Sie sagen nichts. Nur ein Herr bestellt sich mit leiser Stimme einen Kaffee. Die Mitbürgerin überhört ihn zunächst demonstrativ. Schon will ich ihr zurufen: „ Ey, Du dusselige Kuh, Kundschaft!“  Da unterbricht sie ihr Palaver und bedient und wird kumpelhaft. Alles sehr peinlich!

Die Eingangshalle des Züricher Bahnhofs ist eine gewaltige Bühne für die Ankommenden und Abreisenden.  Draußen wartet der Frühling. Die Trottoirs sind belebt. Donnerstagabend. Niederdorferstrasse, der Eingang in die Altstadt. Die Kneipen sind voll. Piano-Bar im Hotel Splendid, Sterneküche, alte Bausubstanz. In der Eckkneipe kurz vor Mitternacht ist das Hochdeutsch unter Einheimischen eher hinderlich. „Er versteht uns nicht.“ Sie zeigen sich abweisend. Der Kneipier druckt sich seine Tagesumsätze aus nachdem er mir das letzte Bier für den Tag ausgeschenkt hat und mich bei der Bierauswahl absichtlich auflaufen lässt.  Mit dem Sitznachbar komme ich ins Gespräch. Er erklärt mir, warum die Deutschen immer unbeliebter werden. Diplomatisch wie ich bin, zeige ich ihm den Zeigefinger und er nickt zustimmend. Dabei war er selber ein Jahr in Bremen und hat viel Gefallen an der Norddeutschen Schnapskultur gefunden. „Es sind einfach zu viele! Sie denken hier müsste alles so sein wie in Deutschland.“ Die Züri-Bar lehrt sich.

Am nächsten Morgen laufe ich durch die Gassen zum ersten Termin. Spät am Abend hatte es angefangen zu regnen. Bald ist die Temperatur wieder einstellig und es nieselt. In der Altstadt gibt es viele kleine Handwerksbetriebe: Schlosser, Vergolder, Restaurateure, Velo-Geschäfte und Boutiquen. Die Schaufenster sind geschmackvoll  und individuell. Die Geschäfte zeugen von Sachverstand und Einsatz. Das Bistro gegenüber dem historischen Bibliotheksbaus ist italienischer Art. Der Betreiber misst die Sandwiches mit dem Zollstock ab. Er hat einen Kunden, der hat eine ganz spezielle Maschine, deswegen müssten die genau zugeschnitten sein. Ich bestelle einen „kleinen Kaffee“, er versteht „freien Kaffee“  – wir lachen. Vermutlich ist er Schweizer mit italienischer Muttersprache. In Deutschland wäre er Ausländer – hier ist er Schweizer.

Bei meinem zweiten Besuch ist die Bibliothekarin an der Ausgabe aus Deutschland. Ursprünglich aus Leipzig. Das hört man ihr aber nicht mehr an. Vor zehn Jahren ist sie nach Zürich gekommen. Sie ist aufrecht, schlank und ihre Haare sind strenger nach hinten gebürstet als man das in Leipzig tun würde. Ihre Art ist höfflicher als man das in Deutschland erwarten würde. Ihr Grundton ist leiser.

Der Zürichsee liegt unter Regen. Die Ausflugsschiffe sind leer, der Anleger verweist. Überall Pfützen. Die Hänge des Ütlibergs verhangen. Doch überall erstes Grün und Blühen. Rauf geht es die Bahnhofstrasse Richtung Hauptbahnhof. Dort, wo die Credit Suisse und UBS ihr Zentralen haben, hängen riesige National- und Stadtwappen über der Prachtstraße. Uhren, Juweliere und Bankhäuser. Ich habe gehört, die Menschen bringen ihr Geld hierher, weil die Schweiz sicher und stabil ist. In einer Dokumentation über sich hat der Sanierer der UBS gesagt: „Zu viel Transparenz zerstört Vertrauen!“

 

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